„Die 3D-seismischen Daten sind von sehr guter Qualität“

Asse

von Frank Ehrlich Interview

Die Ergebnisse der 3D-Seismik verzögern sich. Dr. Hui Ding ist für die BGE für die Auswertung der gewonnenen Daten verantwortlich und spricht im Interview über die Gründe für die Verzögerung und den aktuellen Stand der Arbeiten.

In den Jahren 2019 und 2020 untersuchte die BGE das Umfeld der Schachtanlage Asse II mittels 3D-Seismik (externer Link). Die hochauflösenden Messungen dienten dazu, die geologischen Strukturen und Störungen in Tiefen von 200 bis 2.000 Meter dreidimensional abzubilden. Die gewonnenen Daten zum Aufbau des Deckgebirges und zur geologischen Struktur des Asse-Höhenzuges spielen bei der Rückholung der radioaktiven Abfälle eine wichtige Rolle. Denn mit Hilfe der zusätzlich durch die 3D-Seismik gewonnenen Daten können das Rückholbergwerk besser geplant und belastbare Genehmigungsunterlagen für die Rückholung und die anschließende Stilllegung erstellt werden.

Die Daten konnten dank einer guten Zusammenarbeit mit den Grundstückseigentümer*innen und Bewirtschafter*innen erhoben werden. Im Februar 2022 berichtete Jens Köhler (Bereichsleiter Asse) jedoch über Verzögerungen bei der Auswertung der erzeugten Daten. Das neue Ziel lautet, bis 2023 ein präzisiertes dreidimensionales Strukturmodell der Asse zu erhalten.

Bürgerfragen zur 3D-Seismik

In den vergangenen Wochen und Monaten erhielten die Mitarbeiter*innen der Infostelle Asse mehrfach Fragen zum aktuellen Stand der 3D-Seismik. Die Bürger*innen wollten vor allem wissen, was der verzögerte Abschluss für den rechtzeitigen Beginn der Rückholung im Jahr 2033 bedeutet.

Dr. Hui Ding verantwortet die Auswertung der 3D-Seismik für die BGE. Im Interview mit Frank Ehrlich, Leiter der Infostelle Asse, spricht sie über den aktuellen Stand der Arbeiten und erklärt, wie es zu den Verzögerungen kommt.

Frau Dr. Ding sitzt an ihrem Schreibtisch vor einem Notebook. Auf diesem ist Frank Ehrlich zu sehen. Das Interview wird digital geführt.
Dr. Hui Ding im Gespräch mit Frank Ehrlich

Frank Ehrlich (Infostelle Asse): Die 3D-Seismik war ein riesiges Projekt – von welchen Dimensionen sprechen wir hier?

Dr. Hui Ding: Die 3D-Seismik erstreckte sich über ein Gebiet von rund 37,5 Quadratkilometern rund um die Schachtanlage Asse II. Auf dieser Fläche wurden an rund 36.000 Punkten seismische Wellen in den Untergrund gesandt. An fast 45.000 Punkten wurden die Reflexionen aus der Tiefe empfangen. Zwar gab es in der Vergangenheit bereits 2D-Messungen, aber noch nie in 3D mit einem so dichten Messraster. Rund 24 Terabyte an Daten werden nun weiter ausgewertet.

Frank Ehrlich: Die BGE berichtete im Februar 2022 über Verzögerungen bei der Auswertung. Was ist geschehen?

Am Ende wollen wir ein präzisiertes geologisches 3D-Modell der Asse erhalten. Dafür werden die Rohdaten in mehreren Schritten durch ein beauftragtes Fachunternehmen aufwendig bearbeitet. Jeder Schritt basiert auf den Ergebnissen der vorherigen Auswertung. Im Rahmen einer Qualitätsüberprüfung der gelieferten Zwischenergebnisse haben wir festgestellt, dass fast zehn Prozent der Daten in einem grundlegenden Bearbeitungsschritt nicht berücksichtigt wurden. Dies verschlechterte die Qualität des Gesamtergebnisses, weshalb die Bearbeitungsschritte wiederholt werden mussten.

Frank Ehrlich: Wie möchte die BGE solche Szenarien zukünftig verhindern?

Nachdem wir mit dem bestehenden Auftragnehmer keine Einigung über die weitere Bearbeitung erzielen konnten, haben wir ausgehend von den Rohdaten die Daten in Eigenleistungen bearbeitet. Das beschleunigte die Arbeiten und minimierte das Projektrisiko. Auf diesen Ergebnissen aufbauend haben wir einen neuen Dienstleister mit der Erbringung der restlichen Leistungen beauftragt. Man sieht, wie wichtig es ist, eigene Fachkompetenz bei Kernthemen vorzuhalten, damit solche Fehler überhaupt entdeckt werden können.

Frank Ehrlich: Wo steht das Projekt derzeit?

Die Daten sind ausgewertet und werden derzeit interpretiert. Wir planen bis zum Endes des Jahres ein dreidimensionales geologisches Strukturmodell zu erstellen und dieses um eine sogenannte kinematische Modellierung zu ergänzen. Bei einer kinematischen Modellierung wird die Entstehung der Salzstruktur bis zur heutigen Situation simuliert. Den Abschlussbericht werden wir voraussichtlich im ersten Quartal 2023 veröffentlichen können.

Frank Ehrlich: Welche Auswirkungen haben die Verzögerungen auf den geplanten Bau des Schachts Asse 5 und die Rückholung insgesamt?

Die Rückholung insgesamt wird dadurch nicht beeinflusst. Die Zwischenergebnisse der 3D-Seismik wurden bei den Planungen für den Schacht Asse 5 bereits berücksichtigt.

Frank Ehrlich: Welche Aussagen lassen sich schon jetzt auf Basis der Ergebnisse treffen?

Die 3D-seismischen Daten sind von sehr guter Qualität, sodass alle gemessenen Bereiche auswertbar sind. Nach erster Sichtung zeigt sich ein heterogenes Bild der Salzstruktur. Form und Größe des Salzkörpers unterscheidet sich deutlich von West nach Ost. Wir erkennen im Vergleich zum früheren Kenntnisstand, dass das Volumen des Salzgesteins der Asse östlich des Bestandsbergwerkes abnimmt und die Salzstruktur tiefer liegt. Dies ist bei der Planung des Rückholbergwerks zu berücksichtigen.

Frank Ehrlich: Werden die Rohdaten zusammen mit dem Bericht veröffentlicht?

Es besteht tatsächlich ein großes Interesse an den Daten. Sowohl von Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen, als auch von Hobby-Geowissenschaftler*innen. Aufgrund der großen Datenmengen ist eine Veröffentlichung nicht ohne weiteres möglich. Wir prüfen derzeit mit unserer IT, welche Möglichkeiten wir haben.

Vielen Dank für das Gespräch.


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