Mit dem betrieblichen Strahlenschutz unter Tage 

07.06.2022 von Anna-Lena Zimmermann Reportage

Morgens um kurz vor 7:00 Uhr treffe ich mich mit Stefan Fleischer in der Schachthalle. Seit 2017 ist er als Gruppenleiter verantwortlich für den betrieblichen Strahlenschutz auf der Schachtanlage Asse II. Er nimmt mich mit auf eine Reise nach unter Tage und gibt mir einen Einblick, wie die BGE die Mitarbeiter*innen in der Asse vor Radioaktivität schützt.

Während so früh draußen auf der Asse knapp 5 Grad Celsius herrschen, wird es in ein paar hundert Metern Tiefe in wenigen Minuten um die 30 Grad wärmer sein. Jede Person die einfährt, trägt Arbeitskleidung, hat eine Lampe (Geleucht) dabei und einen Sauerstoffselbstretter. Aber für den Strahlenschutz am wichtigsten ist das Dosimeter. Es misst die Strahlendosis, die ich während meines Aufenthalts unter Tage abbekomme. Nicht nur bei mir, sondern auch bei allen anderen Personen, die nach unter Tage fahren. Die Fachleute der Dosimetrie messen im Jahr rund 60.000 Mal.

Unter Tage auf der 490-Meter-Ebene angekommen, gehen wir zum Abbau 4. Früher wurde hier Salz abgebaut, heute ist er einer der größeren noch offenen Grubenräume und beherbergt den sogenannten Freimessplatz. Hier kommt ein Großteil der normalen betrieblichen Abfälle zur Freimessung hin, bevor sie nach über Tage gebracht werden dürfen. Leitungen, Kartons, Fahrzeugteile und normaler Restmüll landen hier. „Selbst der Inhalt der Dixi-Klos wird untersucht“, erklärt mir Stefan Fleischer. Die BGE kann so nachweisen, dass die hier abgegebenen Materialien radiologisch unbedenklich sind und dem konventionellen Wertstoffkreislauf oder  der Entsorgung zugeführt werden können.

Überwachung der Grubenbenluft

Ein Bergarbeiter schaut auf eine Messgerät, das an einer Bergwand installiert ist.
Die Grubenluft in der Schachtanlage Asse II wird unter anderem auf das radioaktive Gas Radon untersucht. Stefan Fleischer liest die aktuellen Messwerte auf einem Messgerät ab. Das Messgerät ist durch eine Folie vor Staub geschützt.

Ein Gerät, mit dem Strahlung gemessen werden kann, ist zum Beispiel ein sogenannter Kontamat. So ein Gerät habe ich vorher noch nicht gesehen, aber das typische Knacken, das bei jedem gemessenen Impuls zu hören ist, kommt mir bekannt vor. Es dient dazu, mögliche Kontamination auf Oberflächen zu messen.

Neben der bereits genannten Dosimetrie überwacht der Strahlenschutz auch den Gehalt an radioaktiven Stoffen in der Grubenluft. Das schützt die Mitarbeiter*innen unter Tage vor einer unzulässigen Strahlenbelastung. Denn sie atmen diese Luft ständig ein. Die verbrauchte Luft wird nach über Tage geleitet und in die Umwelt freigesetzt. „Hier ist der Nachweis wichtig, dass alle Grenzwerte zum Schutz von Mensch und Umwelt eingehalten werden“, erklärt mir Stefan Fleischer.

Ich begleite Stefan Fleischer weiter in die Einlagerungskammer 7 auf der 725-Meter-Ebene. Die Kammer 7 war vor vielen Jahren die „Besucherkammer“. Hier konnten sie die Fässer sehen, die in den 1970er Jahren abgekippt wurden. Längst sind die radioaktiven Abfälle komplett mit Salz bedeckt. Heute ist hier einer von mehreren sogenannten Strahlenschutzbereichen eingerichtet. Dies sind Orte in denen es zu einer erhöhten Strahlenbelastung kommen könnte. Die Bereiche müssen durch Absperrungen und Hinweisschilder besonders kenntlich gemacht sowie der Zutritt beschränkt werden. Bevor wir diesen Ort betreten können, müssen wir unser Dosimeter an einem Gerät registrieren. Wir checken uns sozusagen ein und beim Verlassen auch wieder aus. „So können wir bei der Auswertung der Dosimeter genau feststellen, wo eine möglicherweise erhöhte Strahlenbelastung aufgetreten ist“, sagt Stefan Fleischer. 

Als ich den Bereich verlasse, schiele ich auf mein Dosimeter. Der angezeigte Wert lautet 0,000 Millisievert. Das wird sich bis zum Ende der Befahrung auch nicht mehr ändern. Stefan Fleischer hat das natürlich mitbekommen und erklärt: „Ein Dosimeter über Tage hätte vermutlich schon einen Wert größer 0 angezeigt. Die natürliche Strahlenbelastung über Tage ist höher, als die Strahlenbelastung unter Tage, solange man sich nur im normalen Grubengebäude bewegt.“ 

Bevor wir wieder nach über Tage fahren, muss ich noch auf einen Hand-Fuß-Kleidermonitor steigen. Dieser misst mögliche anhaftende radioaktive Stoffe an Händen und Schuhsohlen. Dreißig Sekunden stehe ich da. Eine Frauenstimme zählt langsam runter: „3, 2, 1 – Vielen Dank. Keine Kontamination.“

Die Autorin

Anna-Lena Zimmermann arbeitet seit Ende 2021 in der Infostelle Asse. Im Rahmen Ihrer Ausbildung zur Besucherführerin begleitet Sie verschiedene Fachkolleg*innen nach unter Tage und lernt die verschiedenen Tätigkeitsfelder auf der Asse kennen.

Betrifft: Asse – Fokus Strahlenschutz

In der Veranstaltungsreihe Betrifft: Asse informierte die BGE am 5. Mai 2022 über die verschiedenen Strahlenschutzmaßnahmen in der Schachtanlage Asse II und in deren Umfeld. Tenor der Veranstaltung: Der Aktivitätsbeitrag durch die Schachtanlage Asse II ist gegenüber der natürlichen Strahlenbelastung nicht nachweisbar. Einen Nachbericht zur Veranstaltung sowie den Link zur Aufzeichnung finden Sie auf unserer Internetseite BGE.de (externer Link).

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