Einblicke #10

Fakten zum Magazin

War das ein denkwürdiger Moment, als Susanne Daubner am 28. September 2020 in der Tagesschau verkündete, dass in Gorleben kein Endlager für hochradioaktive Abfälle gebaut wird? Ja, aber es war vor allem eine Zäsur, ein Paradigmenwechsel. Und zwar nicht nur, weil die Menschen in der Region an diesem Abend nach 40 Jahren endloser und verfahrener Diskussionen erleichtert aufatmeten. Sondern vor allem, weil aus den Fehlern der Vergangenheit endlich Konsequenzen gezogen wurden.

Der Anfang vom Ende des Projektes Gorleben fällt ins Jahr 2013, als das „Standortauswahlgesetz“ in Kraft trat. Darin war der Neustart des Standortauswahlverfahrens festgelegt – mit dem Ziel, in einem wissenschaftsbasierten und transparenten Verfahren einen Standort für ein geologisches Endlager für insbesondere Wärme entwickelnde radioaktive Abfälle zu finden. Die Erkundungsarbeiten im Salzstock Gorleben wurden beendet, 2017 begann die neuerliche Suche nach dem Endlager. 2031, so der Plan, soll es gefunden sein. Dafür wurden auch die Zuständigkeiten neu geordnet – mit dem Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) als Aufsichts- und Beteiligungsbehörde, der BGE als Vorhabensträgerin und der Wissenschaft und der Öffentlichkeit als kritische Verfahrensbeteiligte.

Zu den wichtigsten Erkenntnissen aus 40 Jahren Streit um Gorleben gehört, dass die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle aus dem Betrieb von Kernkraftwerken eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Eine Aufgabe, die also nur im gesellschaftlichen Konsens erfolgreich sein wird. „Politik und Behörden haben in den vergangenen Jahrzehnten oft Fehlinformationen von sich gegeben“, sagt der Kommunikationsexperte Frank Brettschneider in unserem Interview ab Seite 8. „Vertrauen ist schnell zerstört – und es dauert lange, es aufzubauen.“ Genau darum wird es in den nächsten Jahren immer und immer wieder gehen.

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